Zweite Tiefenbohrung: Menschen gewinnen und beteiligen

Für eilige Leser und Leserinnen

Wie gewinnen wir Menschen für eine Idee und wie beteiligen wir möglichst viele an Wandlungsprozessen. Sowohl Beteiligungsformen und -methoden wie auch Kenntnisse über die Wandlungen im Ehrenamt sind dafür hilfreich.

1. Nicht jeder kann alles, keiner kann nichts – eigene Kraftquellen und die eigene Berufung entdecken

Bei allem Einsatz für die Gemeinde/für die Kirche vor Ort, ob haupt- oder ehrenamtlich eingebracht, ist es wichtig, dem nachzuspüren was Ihnen selbst am Herzen liegt, was Sie selbst gerne bewegen wollen, wo Ihre Fähigkeiten und Talente liegen, die Sie gerne einbringen wollen. Dort, wo auf Dauer eigene Motivationen unterlaufen werden, wird bald die Kraft fehlen, anderes zu bewegen.

Nachstehende Gedanken1 können Ihnen helfen, Ihre eigenen Motivationen, das was Sie bewegt, präsent zu haben, die persönlichen Erwartungen vor Augen zu führen, bei den eigenen Talenten anzusetzen, um diese zur Geltung zu bringen und letztlich auch offen zu sein für das Wirken des Geistes.

1. Ehrlich zu sich selbst sein

Was haben Sie selbst von Ihrem Engagement und was möchten Sie „eigentlich“ gerne einbringen? Auch wenn es viele Aufgaben in einer Pfarrei/Einrichtung zu erledigen gilt, dennoch dürfen und sollen Sie sich diese Fragen ehrlich stellen. Denn Ihr Nutzen und Ihre Talente sind die Schätze der Pfarrei. Werden sie nicht genutzt, bleiben sie liegen und verkümmern. Das wäre schade für Sie und die anderen. Deshalb bleiben Sie dem auf der Spur und tauschen Sie sich mit anderen dazu aus.

2. Persönliche Erwartungen und Erfolgskategorien überprüfen

Maßstab des persönlichen Erfolgs sind oft die Teilnehmer/innenzahlen und die sind häufig enttäuschend. Vielleicht gibt es aber auch andere Erfolgskriterien für Ihr Tun. Erfolg braucht jede/jeder auch im kirchlichen Bereich. Hier wird oft eingewendet: „Erfolg ist kein Namen Gottes.“ (Martin Buber). Das ist keineswegs eine Absage an ein erfolgreiches, besser gesagt wirksames Handeln der Kirche. Richtig verstanden meint dies nicht, dass wir nichts tun und bewegen sollen, sondern vielmehr, dass Gottes Handeln sich nicht allein am messbaren Erfolg ablesen lässt. Erfolge sind Kraftquellen, die uns zeigen, dass unser Tun nicht ins Leere geht. Sie ermutigen uns zum Weitermachen.

3. Unbewusste Ratgeber entmachten

„Das haben wir schon einmal versucht.“ „Das klappt ja sowieso nicht.“ „Da kommt sowieso niemand.“ „Du darfst dir nicht zu viel davon versprechen.“ Wer hat nicht schon solche Sätze gehört oder auch selbst gedacht oder anderen gesagt? Sie sind die beste Methode, um Motivationen zu untergraben und haben eine fatale Wirkung: Sie erfüllen sich selbst. Anstatt sich zu hemmen, versuchen Sie Botschaften zu finden, die Menschen motivieren, die Kraft und Mut geben und eine Wirklichkeit beschreiben, die Sie gerne erreichen wollen.

4. Offen sein für das Mehr

Alles Wichtige im Leben geschieht oft von selbst. Aufmerksamkeit für das Hier und Jetzt, für die Fähigkeiten und Talente die da sind und sich nicht nur an den Aufgaben abzuarbeiten, die erledigt werden müssen, ist eine der wichtigsten Aufgaben für Kirche/Gemeinde heute. Das heißt nicht, die Hände in den Schoß zu legen, sondern offen für die Menschen und suchend mit ihnen als Volk Gottes unterwegs zu sein.


 1 Nach: Diözese Rottenburg-Stuttgart (Hg.), Die eigene Gemeinde mit ihrem Umfeld wahrnehmen. Anregungen zur Lebensraumanalyse, Arbeitshilfe 01-2010, 38f.

2. Charismen- vor Aufgabenorientierung aber Achtung: Nicht jede/r will mittun und muss es auch nicht

Nicht jede und jeder will heute mitmachen. Eine Erfahrung die viele Gemeinden als schmerzlich empfinden, aber eine Tatsache, von der sie gut tun, sie zu akzeptieren. Das heißt nicht, dass wir Menschen nicht mehr für etwas begeistern können. Es heißt vielmehr, dass Menschen heute mehr denn je auswählen, wo sie sich engagieren und welchen Nutzen es für sie bringt. Dies ist ein Ergebnis der zahlreichen Ehrenamtsforschungen.

Herbert Haslinger bezeichnet es als einen „gemeindetheologischen Pelagianismus“2, theologisch zu argumentieren, jede Christin/jeder Christ müsse seine Fähigkeiten für die Gemeinde einsetzen und damit das Strukturproblem der institutionellen Kirche zu einem Glaubensproblem der Kirche umzudeuten.3 Haslinger weiter: „Eine solche verrechnende Einforderung von Ehrenamtlichkeit als Kompensation des (vermeintlich) fehlenden hauptamtlichen Personals bedeutet nicht nur eine fachliche, zeitliche und mentale Überforderung der Ehrenamtlichen; sie verletzt auch die genuine Eigengesetzlichkeit des Ehrenamts.4 Ehrenamtliche wollen immer weniger das tun, was andere wollen, sondern letztlich das einlösen, was Charismenorientierung eigentlich meint: eigene Fähigkeiten einbringen zum Nutzen anderer und sich selbst.

Zum Weiterlesen:

Haslinger, Herbert, Vom Einfamilienhaus zur Berghütte. Zur Konzeption der pastoralen Praxis in Gemeinden, in: Herder Korrespondenz 6/2015, 285-289https://www.herder-korrespondenz.de/heftarchiv/69-jahrgang-2015/heft-6-2015


2 Lehre des Pelagius: Die menschliche Natur – von Gott stammend – ist göttlich und der sterbliche Wille in der Lage, ohne göttlichen Beistand zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Der Mensch trägt daher die volle Verantwortung für seine Sünden und sein Seelenheil.
3 Haslinger, Herbert; Vom Einfamilienhaus zur Berghütte, in: Herder Korrespondenz 6/2015, 286.
4 Haslinger, a.a.O.

3. Beteiligungsformen oder wie es gelingen kann, möglichst viele Menschen zu begeistern

Im Dekanat Ebersberg haben sich auf dem Weg von Gemeinden zu pastoralen Schwerpunkten einige offene Beteiligungsformen bewährt. Wichtig war in allen Fällen, dass an einem konkreten Anliegen/Thema gearbeitet wurde und am Ende Ergebnisse standen. Um möglichst viele Menschen auch „im Dunstkreis der Pfarrei“ zu erreichen wurde nicht nur auf üblichen Pfarreiwegen (Kirchenanzeiger, Vermeldung, Mailings über interne Verteiler), sondern vor allem auch über Zeitungen und Gemeindeblätter der Kommunen eingeladen. Besonders wirksam war auch hier wieder das Aktivieren der privaten Netzwerke einzelner Pfarreimitglieder. So gelang es, dass Menschen sich über ihre Kompetenz ernstgenommen fühlten und ihren Beitrag leisteten. Im Folgenden sind zwei unterschiedliche Formen dokumentiert.

Pfarreiforen
Die Pfarrei Ebersberg lud nach dem Motto sehen – urteilen – handeln nach jedem Schritt zu Pfarreiforen ein, um die Ergebnisse zu diskutieren und Linien für die Weiterarbeit mit möglichst vielen zu erarbeiten. Ziel des Pfarreiforums, dessen Ablauf nun kurz skizziert ist, war es anknüpfend an die Situationsanalyse, Herausforderungen zu benennen und erste Umsetzungsideen zu entwickeln.

Offener Workshops zum Mitdenken und –mitgestalten
St. Michael – Wohin? Unter diesem Titel lud die Pfarrei St. Michael in Poing zu einem offenen Workshop zum Mitdenken und Mitgestalten ein. Alle an der (Fort-)Entwicklung der Pfarrei Interessierten waren eingeladen, zusammen mit dem PGR Ideen für das Zusammenwirken in der Pfarrei und in der Gemeinde zu entwickeln sowie Ansätze für deren Verwirklichung zu diskutieren. Als Leitfragen für den Workshop waren formuliert:

  • Was erwarte ich von der Pfarrei?
  • Was wollen wir als Pfarrei sein? Was macht uns aus?
  • Wie wollen wir nach außen wirken?
  • Wohin sollen wir uns entwickeln?

So lief dieser Workshop ab:

4. Methodenkoffer

Veranstaltungsformen, die Menschen beteiligen wollen, brauchen Methoden, die dies in hohem Maße fördern. Natürlich ist eine Abwechslung in Gruppenarbeit zum Sammeln und Plenum zum Abgleichen der Ideen eine Möglichkeit. Der Methodenkoffer der Erwachsenenbildung hält aber noch mehr bereit. Einige daraus seien im Folgenden kurz skizziert. Dies ist als Anregung für Sie gedacht. Trauen Sie es sich auch zu, mal etwas Neues auszuprobieren. Daneben helfen Ihnen sicher Gemeindeberater/innen, Erwachsenenbildner/innen und in Gruppenprozessen erfahrene Referentinnen und Referenten bei der Planung und Durchführung Ihres Beteiligungsworkshops.

World café
Diese Methode möchte Menschen zu bestimmten Themen ins Gespräch bringen. In kleinen Runden an vorbereiteten Tischen – eben wie in einem Café – wird zu einer Leitfrage bzw. mehreren Leitfragen diskutiert, dabei darf auch auf die Tischdecke gekritzelt werden. Um die Gespräche zu vertiefen, sollen die Teilnehmenden mehrmals die Tische wechseln und die Gruppen werden damit durchgemischt. An den Tischen gibt es Gastgeber/innen, die dort bleiben, die neuen Teilnehmer/innen begrüßen und das vorherige zusammenfassen.

Näheres zur Methode unter: www.kas.de/wf/de/71.9278/

Open space
Open space gibt, wie der Name „offener Raum“ schon vermuten lässt, Raum, komplexe Themen/Fragestellungen zu bearbeiten und viele, unterschiedliche Personen daran zu beteiligen. Sie dient häufig als Initialzündung für ein Vorhaben, das mit einer Ideensammlung auf breiter Basis begonnen werden soll. Open space hat zwar einen thematischen Rahmen und einen festen Ablauf, ist aber immer ergebnisoffen. Es beginnt immer mit der Vorstellung des Themas, daran anschließend kann jede/r zu einem Thema eine Arbeitsgruppe einberufen. Nach dem Gesetz der „zwei Füße“ bleibt jede/r nur so lange im Arbeitskreis, solange er/sie einen Beitrag leisten kann/will oder etwas lernen kann. Ein Wechseln der Gruppe zu welchem Zeitpunkt auch immer, ist nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.

Näheres zur Methode unter: www.informdoku.de/pdfs/openspace.pdf

Zukunftswerkstatt
Die Methode der Zukunftswerkstatt nach Jungk und Müllert geht von den Ressourcen und Ideen der Teilnehmenden aus. Grundprinzip ist die Idee, dass eine von möglichst vielen mitgestaltete Gemeinschaft nur gelingen kann, wenn viele unterschiedliche Ansichten ausgesprochen und in die öffentliche Diskussion mit einbezogen werden.

Die Zukunftswerkstatt hat folgende Phasen:

(1) Phase der Kritik
Alle Kritik und negativen Emotionen zum Thema sollen geäußert werden.

(2) Phase der Utopie
Die Teilnehmenden beschreiben die bestmöglichste Situation / Art und Weise, wie die Zukunft von XY aussehen könnte.

(3) Phase der Projektidee
Leitfrage: Mit welchen Projekten und Initiativen könnte man die Zukunft der Gemeinde am besten gestalten?

(4) Phase der Projektdiskussion
Diskussionen über die Realisierbarkeit von Projektideen.

Der Ablauf einer Zukunftswerkstatt könnte so aussehen:



Näheres zur Methode unter: www.bpb.de/lernen/formate/methoden/62269/methodenkoffer-detailansicht oder www.sowi-online.de/praxis/methode/zukunftswerkstatt.html_2

5. Freiwilliges Engagement heute

Menschen engagieren sich – ein überraschend starker Trend

Über 3 Millionen Menschen sind in Bayern ehrenamtlich aktiv – jeder Dritte ab 14 Jahren in Deutschland engagiert sich ehrenamtlich. Das zweitgrößte „Tätigkeitsgebiet“ sind nach dem Sport die Bereiche Kirche und Religion. Und auch das Engagement-Potenzial in Deutschland ist groß - 24 Millionen Menschen sind, wie der letzte Freiwilligen-Survey ergeben hat, „bestimmt“ oder mindestens „eventuell“ bereit, eine Freiwilligentätigkeit zu übernehmen.

Dennoch ist dieses Engagement dem gesellschaftlichen Wandel und Änderungen unterworfen: Ehrenamtliche übernehmen immer mehr ehemals hauptamtliche Tätigkeiten, der demographische Wandel schreitet voran, die Anforderungen und der Druck der Wirtschaftswelt sowie die steigende Zahl von Ein-Elternfamilien nehmen zu. Das alles sind Gründe, das Thema Ehrenamt auch in der Kirche genauer unter die Lupe zu nehmen und sich von der Engagementforschung anregen zu lassen.

Warum engagieren sich heute Menschen freiwillig?

Fragt man heute Menschen, warum Sie sich freiwillig engagieren, so gibt es, wie auch die MDG-Religionsstudie von 2013 gezeigt hat, ein ganzes Bündel an Motiven. Daraus wird ersichtlich: Man übernimmt ein Ehrenamt nicht mehr nur um zu helfen oder aus Pflichtbewusstsein, sondern verbindet damit auch eigene Interessen und Motive.

Für viele freiwillig Engagierte heute sind folgende Punkte wichtig:

  • Spielraum für selbstständiges Handeln und Entscheiden
  • Einarbeitung, Begleitung, gute Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen
  • Themen- vor Verbandsorientierung
  • Großzügige Flexibilität und Offenheit

- z.B. in zeitlicher Hinsicht (Zeitsouveränität)

- z.B. in Bezug auf die Tätigkeit (Wechsel)

  • Enttabuisierung des Austritts (ohne Rechtfertigung)

Nicht mehr bis zur goldenen Ehrennadel

Für immer weniger Menschen ist das Ehrenamt ein Amt, das sie längerfristig ausüben. Für die meisten ist es ein freiwilliges bürgerschaftliches Engagement, das zeitlich begrenzt ist, sich in den Lebenslauf biographisch einpasst, eigene Gestaltungsräume, Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Zum Weiterlesen:

Kostenloser Download Freiwilligensurvey 2009 für Bayern: http://www.sozialministerium.bayern.de/ehrenamt/survey/index.php

6. Wie gewinne ich Ehrenamtliche?

Um Ehrenamtliche zu gewinnen, sind Rahmenbedingungen für das Engagement genauso wichtig wie die Motivationen der Einzelnen. Folgende Schritte sind bei der Gewinnung von engagierten Personen wichtig:5

 

 

Eigenen Bedarf reflektieren und Ehrenamtsprofil erstellen

  • Bereich: In welchem Bereich werden Ehrenamtliche benötigt?
  • Aufgaben: Was genau sind die Aufgaben und welche Tätigkeiten sind damit verbunden?
  • Zeitaufwand: Wie hoch ist der voraussichtliche zeitliche Aufwand? Ist die Zeit frei einteilbar oder an Termine gebunden? Handelt es sich um kontinuierliche oder sporadische Tätigkeiten?
  • Voraussetzungen: Welche Voraussetzungen sollen die Ehrenamtlichen mitbringen? Sind bestimmte Kenntnisse oder Kompetenzen vonnöten?
  • Persönlicher Nutzen: Welchen Anreiz bietet die ehrenamtliche Tätigkeit den Ehrenamtlichen? Welchen persönlichen Nutzen (z.B. Erwerb neuer Kompetenzen) oder Gewinn können Ehrenamtliche erwarten?
  • Einarbeitung: Ist eine Einarbeitung in die Tätigkeit notwendig? Wer kann/soll die Einarbeitung übernehmen? Ist u.U. einer längere Begleitung der „Neuen“ erforderlich?

Freiwillige gewinnen       

  • Welche Personen(gruppen) kommen als Ehrenamtliche für die identifizierten Aufgabengebiete am ehesten in Frage? Sprechen Sie auch Personengruppen an, die professionell damit zu tun haben!
  • Welche Interessen und Bedürfnisse haben diese Personen? Welche Gründe könnten sie haben, sich ehrenamtlich zu engagieren?
  • Welche Maßnahmen sind für die Zielgruppe(n) gut geeignet, um die gewünschten Freiwilligen zu erreichen?
  • Welche Mitglieder bzw. Mitarbeiter können bei der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher helfen?

TIPP: Unabhängig davon, ob Unterstützer im direkten oder weiteren Umfeld akquiriert werden sollen, ist die Beachtung folgender Punkte hilfreich:

  • Je vielfältiger das Aufgabengebiet ist, desto größer die Chance, interessierte Personen zu finden – keine Überforderung, aber auch keine Unterforderung!
  • Die Einrichtung sollte Möglichkeiten zur Qualifizierung der ehrenamtlich Tätigen ermöglichen oder selbst vorhalten.

In die Tätigkeit einführen und qualifizieren

  • Wie kann der Einstieg leicht gemacht werden?
  • Wie können neue Unterstützer integriert werden?
  • Gibt es Absprachen über die Dauer des Engagements?
  • Wie kann eine Überlastung vermieden werden?
  • Kann den Interessierten eine Weiterqualifizierung angeboten werden?
  • Welche Möglichkeiten der sozialen Einbindung in die Einrichtung sind möglich?
  • Welche Formen der Anerkennung sind möglich?
  • Gibt es eine feste Ansprechperson für neue Ehrenamtliche?

5 nach: Ehrenamtliche gewinnen und halten. Leitfaden zum Ehrenamt in der Erwachsenenbildung, Universität Trier 2011

7. Was bei der Gewinnung von Freiwilligen zu beachten ist

Sich aktiv für ehrenamtliche Tätigkeiten zu bewerben, das tun nicht viele. Die Menschen wollen angesprochen werden.

Deshalb: Machen Sie sich auf die Suche nach den „verborgenen“ Talenten.

Ehrenamtlich Engagierte wollen sich in ihrem Engagementbereich oft persönlich und fachlich weiterentwickeln.

Überlegen Sie: Was kann die Pfarrei hier anbieten?

Klarheit und Verbindlichkeit im Engagement das hilft beiden Seiten, gut zusammenzuarbeiten.

Deshalb: Klären Sie die gegenseitigen Erwartungen, genauen Aufgaben, Kompetenzen und Zeiten.

Der „Lohn“ der Ehrenamtlichen sind: Sinn, Anerkennung und Wertschätzung.

Daher: Loben Sie. Anerkennung muss vielfältig und passend (für die Person und das Engagement) sein.

Die „Kultur“ im Verein/Außenwirkung bestimmt die Engagement-Bereitschaft. Wie arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche zusammen?

Fragen Sie sich: Was macht uns attraktiv? Was können wir dafür tun?

(Nach: Manuskript „beratergruppe ehrenamt berlin“ von Oliver Reifenhäuser)

Zum Weiterklicken:

www.beratergruppe-ehrenamt.de 

8. Zum Schmunzeln: Nur kein Ehrenamt

Willst Du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Wieviel Mühen, Sorgen, Plagen
wieviel Ärger musst Du tragen;
gibst viel Geld aus, opferst Zeit -
und der Lohn? Undankbarkeit!

Ohne Amt lebst Du so friedlich
und so ruhig und so gemütlich,
Du sparst Kraft und Geld und Zeit,
wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft Dir, schnipp-schnapp,
Deine Ehre vielfach ab.

Willst du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab
lehne jedes Amt gleich ab!

Selbst Dein Ruf geht Dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht ihn oberfaul
jedes ungewaschne Maul!

Drum, so rat ich Dir im Treuen:
willst Du Weib (Mann) und Kind erfreuen,
soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,
lass das Amt doch and'ren Dummen.

Quelle: Das Gedicht wird vielfach Wilhelm Busch, eine abgewandelte Version davon Joachim Ringelnatz (1883-1934) zugeschrieben; die wahre Autorschaft ist jedoch unbekannt.